von Nachbarin zu Nachbar

Gerade hast du Besuch. Es ist voll auf deinem Dach. Alle sind ganz ruhig, genießen die milde Luft in der Abendsonne. Friedlich. Dann zieht dein Besuch wieder um die Häuser und du ruhst weiter. Ich sehe dich mittlerweile nur noch selten, was daran liegt, dass wir zu den unterschiedlichsten Zeiten zu Hause sind. Ich frag mich ob du nächstes Jahr auch wieder kommst. Manchmal sehe ich dich schon am frühen Morgen vom Klo aus, wie du in deiner Wohnung hin und her springst – wild am gestikulieren. Von mir bekommst du in diesen Momenten ein lächelndes Kopfschütteln und dann drück ich auch schon die Klospülung um mich um mein eigenes Leben zu kümmern. Letztes Jahr hab ich noch versucht vom Balkon aus mit Dir zu sprechen. Ignoranz war die Antwort auf all meine Fragen. Ich hab verstanden, ich gehöre absolut nicht zu deiner Zielgruppe an Frauen die für dich in Frage kommen. Akzeptiert, aber dich trotzdem nicht ignoriert, einfach nur die stille Beobachterin geworden, die Ihren Nachbarn gern mal das Mittagessen vom Küchentisch guckt.

Solltest du den Weg nach Hause irgendwann nicht mehr zurück finden, wird mein Herz einen kleinen Aussetzer haben und mir kurz der Atem stocken. Eh ich das begreifen werde, wird schon viel Zeit vergangen sein, bis dahin wirst du dann wahrscheinlich mit deiner neuen Familie um die Häuser ziehen und andere besuchen. Vielleicht vermisse ich dich dann sogar ein wenig. Aber ich werde es Dir von Herzen gönnen.

Bis dahin, auf gute Nachbarschaft.

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Neukölln

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