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Ich mag uns. Wenn wir aufeinander treffen, Zeit teilen. Wir legen Filter über den jeweils anderen, werden verlegen, regungslos, sprachlos. Wir erzählen ein wenig aus unserem Leben und genießen die Zweisamkeit. Wir wollen uns gegenseitig beschützen, lernen voneinander, entdecken die liebevollen Seiten und versuchen eine Erklärung dafür zu finden.

Wenn wir dann getrennte Wege gehen, gehen wir getrennte Wege. Das mag ich nicht an uns.
Jeder macht sein´s. Jeder ist mit sich beschäftigt. Verschwommen sind die Versuche Erklärungen zu finden.
Man sucht sich lieber selbst, läuft kopfschüttelnd durch die Gegend, hier und da ein wenig Smalltalk oder versinkt mit alten vertrauten Freunden in der Stammkneipe, philosophierend über das Leben.

Bis nach langer Zeit die Sehnsucht nach dieser Vertrautheit aufflimmert. Wir uns nach langer Zeit begegnen und einer den Körper des anderen um sich wickeln möchte und der andere vergeblich nach dem Knopf sucht um die Zeit zu stoppen, weil es für diesen Augenblick so perfekt scheint, warm, beruhigend und befriedigend. Nur ganz kurz öffnen sich unsere Herzen erneut und wir lassen einen kleinen Blick des anderen zu. Vielleicht das letzte zusammen treffen. Zu viel Nähe und Geborgenheit macht weich und die Konsequenz daraus ist – wir werden angreifbar und gebrechlich.

Also.. was nützen zärtliche Küsse auf nackter Haut, wenn da nicht das Leben wäre, welches mit großer Erwartung auf uns wartet. Wenn da nicht die Vergangenheit wäre, die Ihren Platz in unseren Herzen eingenommen hat und uns auf Ewigkeiten begleiten wird.
Uns steht das ein oder andere im Weg. Die Realität als erste. Dann kommen die Jahre dazu, die unsere Rucksäcke schon gut gefüllt haben und wir unser Päckchen durch die Gegend tragen.
Da schwimmt die Angst mit. Danach kommt der Zweifel. Die Furcht sich fallen zu lassen und aufzuschlagen ist am größten. Für uns gehört das alles dazu wie das alltägliche Kaffee trinken, zur Arbeit gehen, in die Uni gehen, ausschlafen oder das frühe aufstehen, Kühlschrank auf/zu, Zigarette an/aus.Vorsicht in dem was wir wie sagen, ohne dem anderen Hoffnung zu geben oder zu nehmen.Vertrautheit, Vergangenheit, Realität, Angst, Vorsicht. Wir.

 

 

Was ich an uns mögen würde?

Mut.

Gerade hast du Besuch. Es ist voll auf deinem Dach. Alle sind ganz ruhig, genießen die milde Luft in der Abendsonne. Friedlich. Dann zieht dein Besuch wieder um die Häuser und du ruhst weiter. Ich sehe dich mittlerweile nur noch selten, was daran liegt, dass wir zu den unterschiedlichsten Zeiten zu Hause sind. Ich frag mich ob du nächstes Jahr auch wieder kommst. Manchmal sehe ich dich schon am frühen Morgen vom Klo aus, wie du in deiner Wohnung hin und her springst – wild am gestikulieren. Von mir bekommst du in diesen Momenten ein lächelndes Kopfschütteln und dann drück ich auch schon die Klospülung um mich um mein eigenes Leben zu kümmern. Letztes Jahr hab ich noch versucht vom Balkon aus mit Dir zu sprechen. Ignoranz war die Antwort auf all meine Fragen. Ich hab verstanden, ich gehöre absolut nicht zu deiner Zielgruppe an Frauen die für dich in Frage kommen. Akzeptiert, aber dich trotzdem nicht ignoriert, einfach nur die stille Beobachterin geworden, die Ihren Nachbarn gern mal das Mittagessen vom Küchentisch guckt.

Solltest du den Weg nach Hause irgendwann nicht mehr zurück finden, wird mein Herz einen kleinen Aussetzer haben und mir kurz der Atem stocken. Eh ich das begreifen werde, wird schon viel Zeit vergangen sein, bis dahin wirst du dann wahrscheinlich mit deiner neuen Familie um die Häuser ziehen und andere besuchen. Vielleicht vermisse ich dich dann sogar ein wenig. Aber ich werde es Dir von Herzen gönnen.

Bis dahin, auf gute Nachbarschaft.

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Neukölln